| Familienfreundliche
Teilzeitarbeit bei Zürcherinnen gefragt
ZÜRICH. Für Erwerbstätige im Kanton Zürich gilt im Schnitt die 35-Stunden-Woche. Nicht etwa, weil nun plötzlich französische Verhältnisse Einzug gehalten hätten, sondern weil ein Drittel der aktiven Bevölkerung mit reduziertem Pensum arbeitet. Teilzeitarbeit ist vor allem unter Frauen verbreitet, weil sie es ihnen ermöglicht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Dies zeigt eine Studie, die das Statistische Amt des Kantons Zürich soeben veröffentlicht hat. Laut der Studie arbeiteten die Zürcherinnen und Zürcher im Jahr 2003 durchschnittlich 35 Stunden pro Woche, eine halbe Stunde weniger als im Landesmittel. Die auf den ersten Blick erstaunlich tiefe Wochenarbeitszeit hängt damit zusammen, dass im Kanton Zürich Teilzeitarbeit weit verbreitet ist – was den Durchschnitt senkt. Während 34 Prozent der Zürcher Erwerbstätigen mit reduziertem Pensum arbeiten, sind es etwa am Genfersee oder in der Ostschweiz nur rund 30 Prozent. Am wenigsten Teilzeitangestellte gibt es mit 26 Prozent im Tessin. Entsprechend arbeitet man in diesem Kanton landesweit am längsten, nämlich durchschnittlich 36,8 Stunden pro Woche. Teilzeit ist weiblich Teilzeitarbeit hat seit den Siebzigerjahren stark an Bedeutung gewonnen. Sie hat gesellschaftliche Anerkennung gefunden und leistet mittlerweile einen substanziellen Beitrag an das Bruttosozialprodukt. In einzelnen Branchen, etwa im Gesundheits- oder im Unterrichtswesen, sind Vollzeitbeschäftigte bereits in der Minderheit. Allerdings ist Teilzeitarbeit, dies zeigt die Studie des Statistischen Amts einmal mehr, vor allem Frauensache. Während junge Frauen noch mehrheitlich mit einem Vollzeitpensum arbeiten, ist bei Frauen über 30 das reduzierte Pensum die Regel. Ganz anders die Männer: Sie arbeiten vorwiegend und in allen Altersklassen Vollzeit. Insgesamt hatten 2003 im Kanton Zürich 58 Prozent der erwerbstätigen Frauen, aber nur 13 Prozent der Männer eine Teilzeitstelle inne. Familiäre Gründe bei Frauen ausschlaggebend Teilzeitarbeit bietet für viele Frauen die Möglichkeit, Job und Familie unter einen Hut zu bringen und so die traditionelle Rollenverteilung zu überwinden. Die Gründe für reduzierte Arbeitspensen sind bei Männern und Frauen denn auch sehr verschieden. Rund die Hälfte der Frauen nennt familiäre Pflichten. Und immerhin jede fünfte Teilzeiterin gibt an, an einer Vollzeitstelle gar nicht interessiert zu sein. Bei den Männern ist der wichtigste Grund das Absolvieren einer berufsbegleitenden Ausbildung, gefolgt von mangelndem Interesse an einem Vollzeitjob. Familiäre Gründe waren hingegen nur für einen von zehn Männern ausschlaggebend für die Reduktion des Arbeitspensums. Väter arbeiten viel Bei genauerem Hinsehen zeigt sich sogar ein umgekehrter Zusammenhang: Familiäre Verpflichtungen gehen bei Männern einher mit erhöhter Arbeitsbelastung. So arbeiten Zürcher Väter mit kleinen oder schulpflichtigen Kindern nicht nur öfter Vollzeit als andere Männer, sondern sie haben auch längere Arbeitszeiten. Im Schnitt verbringen sie wöchentlich 43 Stunden am Arbeitsplatz, ihre ungebundenen Kollegen dagegen nur rund 39 Stunden. Das Statistische Amt spricht vom «Ernährereffekt». Familien mit Kindern sind auf hohe Einkommen angewiesen. Gleichzeitig nimmt die Kinderbetreuung viel Zeit in Anspruch. Bei der traditionellen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern versucht der Vater deshalb, sein Arbeitspensum zu maximieren, während die Mutter sich schwergewichtig um die Kinder kümmert. Dieses Muster spiegelt sich nicht nur in den Arbeitszeiten der Männer, sondern auch in denjenigen der Frauen: Während Zürcherinnen mit Kindern unter 15 Jahren im Mittel etwas mehr als 20 Stunden pro Monat arbeiten, sind kinderlose Frauen und Mütter mit bereits selbständigen Kindern monatlich rund 32 Stunden an der Arbeit. Partnerschaftliche Rollenverteilung für Privilegierte Die Zahlen zeigen, dass das traditionelle Familienmodell immer noch vorherrschend ist. Partnerschaftliche Familienformen werden jedoch für die jüngere Generation zunehmend wichtig. Wie verschiedene Untersuchungen zeigen, gewinnen neue Modelle, wonach sich Mann und Frau die Erwerbs- und die Familienarbeit teilen, denn auch langsam an Boden. Vorderhand jedoch sind sie einer privilegierten, gut ausgebildeten Minderheit vorbehalten. Für die meisten Eltern sind sie aufgrund des tiefen Lohnniveaus in den untersten Gehaltsklassen ausser Reichweite. Schweizerische Arbeitskräfteerhebung Die Studie des Statistischen Amts basiert auf einer regionalen Auswertung der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) 2003. Diese repräsentative Befragung des Bundes wird jährlich im zweiten Quartal durchgeführt und liefert zentrale Indikatoren für eine regelmässige Arbeitsmarktberichterstattung. In telefonischen Interviews geben die Befragten Auskunft zu Themen wie berufliche Stellung, Arbeitsmarktmobilität oder Arbeitssuche. Im vergangenen Jahr umfasste die SAKE rund 58'000 Interviews, darunter 9000 im Kanton Zürich. |