Rohstoffpolitik der Weltbank soll sich zur Armutsbekämpfung beitragen

BERN. Auf Einladung der Erklärung von Bern hat heute der ehemalige Umweltminister von Indonesien, Dr. Emil Salim, an einem Seminar mit der Direktion für Entwicklungs-zusammenarbeit (Deza) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) die Ergebnisse einer zweijährigen Studie zur Rohstoffpolitik der Weltbank vorgestellt. Die sogenannte Extractive Industry Review stellt der Weltbank ein schlechtes Zeugnis aus und plädiert für weitgehende Reformen, wie ein langfristiger Ausstieg aus dem Erdölsektor und die Respektierung der Menschenrechte.

Weltbank Präsident James Wolfensohn hatte im Jahr 2000 bei den Jahrestreffen von IWF und Weltbank Nichtregierungsorganisationen (NGOs) eine Beurteilung des Weltbankengagements im Rohstoffsektor versprochen. Sie sollte untersuchen, ob und wieweit der Rohstoffsektor, insbesondere in den Bereichen Erdöl, Gasförderung und Bergbau, zur Armutsbekämpfung beiträgt. Der heute in Bern von Dr. Emil Salim präsentierte Bericht von Januar 2004 kommt zum Schluss, dass der Rohstoffsektor nur indirekt zur Armutsbekämpfung beiträgt, jedoch in vielen Fällen mit Krieg, Armut, Klimawandel, Korruption und Menschenrechtsverletzungen einhergeht. Der Bericht empfiehlt der Weltbank ihre Politik künftig auf Menschenrechte ausrichten und sich längerfristig insbesondere aus dem Erdölsektor zurückziehen. Stattdessen soll sie die Förderung für erneuerbare Energien und Energiesparmassnahmen erheblich ausweiten.

Die EvB fordert gemeinsam mit 300 weltweiten Nichtregierungsorganisationen und Nobelpreisträgern wie Erzbischof Desmond Tutu (Südafrika) und Rigoberta Menchu (Guatemala) die Umsetzung der wegweisenden Empfehlungen. "Die weltweiten Untersuchungen und Gespräche mit der betroffenen Bevölkerung haben klar gezeigt, dass die Einnahmen aus dem Rohstoffsektor nicht den Armen zugute kommen", sagt Christine Eberlein von der Erklärung von Bern. Sie fordert die Schweizer Verantwortlichen auf, ihren Einsitz im Exekutivrat der Weltbank zu nutzen und bei der in einigen Wochen anstehenden Abstimmung über den Bericht für dessen vollständige Annahme einzutreten. "Wenn es der Weltbank tatsächlich mit der Armutsbekämpfung ernst ist, bietet nun die Umsetzung der Empfehlungen der "Extractive Industry Review" eine reelle Chance zu echter solidarischer und nachhaltiger Entwicklung".

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news box märz 2004