Auf Nimmerwiedersehen, schmutziges Dutzend!

BERN. Am 17. Mai 2004 tratt das Übereinkommen der Vereinten Nationen über persistente organische Schadstoffe (POP) in Kraft. Damit sind die Herstellung und Verwendung der zwölf für Mensch und Umwelt schädlichsten chemischen Stoffe (das «schmutzige Dutzend», darunter PCBs, DDT und Dioxine) künftig überall auf der Welt verboten.

Nach Ansicht von Georg Karlaganis, Chef der Abteilung Stoffe, Boden, Biotechnologie des BUWAL, «ist die Stockholmer POP-Konvention ein Erfolg». Sie schärft das Bewusstsein dafür, dass bestimmte chemische Stoffe auch weit von ihrem Einsatzort entfernt noch Schäden anrichten können. Die Konvention erlaubt es, weitere persistente chemische Stoffe aufzunehmen. Darüber hinaus ist sie ein ausgewogener Konsens zwischen Entwicklungs- und Industrieländern.

Organische Schadstoffe sind kaum abbaubare chemische Substanzen. Sind sie erst einmal in die Umwelt gelangt, belasten sie Tiere und Menschen, generell über die Nahrungsaufnahme. POPs reichern sich im Fettgewebe von Tier und Mensch an und ihre Dichte steigt an, je weiter man in der Nahrungskette fortschreitet. So enthält beispielsweise die Muttermilch der Inuit-Frauen, die sich hauptsächlich von Fisch und Fleisch ernähren, fünf Mal mehr PCB als bei Kanadierinnen, die weiter südlich leben. Die Schadstoffe sind krebserregend und können zu hormonellen Störungen und zur Beeinträchtigung der Fortpflanzung führen.

Mit der von der Schweiz im Jahre 2003 ratifizierten POP-Konvention sollen die Herstellung, der Handel und der Einsatz der für Mensch und Umwelt giftigsten Schadstoffe weltweit verboten werden. Gegenwärtig fallen zwölf chemische Substanzen, das so genannte «schmutzige Dutzend», unter den Geltungsbereich der Konvention. Da die meisten Industrieländer bereits die notwendigen Massnahmen zur schrittweisen Beseitigung dieser Schadstoffe getroffen haben, regelt die Konvention hauptsächlich die Bereitstellung der erforderlichen technischen und finanziellen Hilfe an Entwicklungsländer. Alle Vertragsstaaten müssen POPs durch weniger gefährliche Stoffe ersetzen, ihre Industrieanlagen umrüsten und die Lagerbestände umweltverträglich entsorgen.

Die Schweiz beteiligt sich an einem Pilotprojekt des Globalen Umweltfonds (GEF) zur Aufstellung von Inventaren der Pestizidbestände in afrikanischen Ländern. Diese Pestizide, die POPs enthalten, müssen auf umweltverträgliche Weise entsorgt werden.

Ständiges Sekretariat in Genf?

Nachdem sich der provisorische Sitz des Sekretariats in Genf befindet, bewirbt sich die Schweiz nun auch für den ständigen Sitz der Konvention. Die Entscheidung soll anlässlich der ersten Vertragsstaatenkonferenz getroffen werden, die voraussichtlich 2005 stattfindet. Da das Sekretariat der Basler Konvention (über die grenzüberschreitende Verbringung gefährlicher Abfälle) sowie das provisorische Sekretariat der PIC-Konvention (über gefährliche Chemikalien) bereits in Genf angesiedelt sind, könnte dort ein internationales Kompetenzzentrum für Chemikalien entstehen.

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news box mai 2004