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Politisches Verstehen und Engagement der Jugendlichen ZÜRICH. Das politische Wissen und Engagement von 14- bis 15-jährigen Schweizerinnen und Schweizern ist international klar unterdurchschnittlich. Die Bedeutung von Wahlen wird von den 18- bis 24-jährigen Jungwählern als gering eingestuft. Dies ist jedoch nicht auf eine Unzufriedenheit mit dem Staat zurückzuführen, politikverdrossen sind die Jugendlichen nicht – aber sie sind zu einem grossen Teil mit dem politischen System gar nie in Berührung gekommen. Die Organisatoren des ersten Demokratieforums, das am Donnerstag, 3. Juni 2004 in Winterthur stattfindet, orientierten über die Beweggründe für die gross angelegte Tagung zum Thema «Jugend ohne Politik – Politik ohne Jugend». Am ersten Demokratieforum wollen die Organisatoren der Diskussion über das (a)politische Verhalten Jugendlicher in demokratischen Staaten unter ganz verschiedenen Gesichtswinkeln Schub verleihen. Einerseits werden politerfahrene Persönlichkeiten mit der Moderatorin Jana Caniga darüber diskutieren, wie dem mangelnden Interesse an gelebter Demokratie begegnet werden könnte und wie sie als junge Menschen zur Politik gefunden haben: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, der ehemalige Ministerpräsident der früheren DDR, Lothar de Maizière, Thomas Krüger, alt-Bundestagsmitglied und Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung in Bonn, Nationalratspräsident Max Binder, Regierungsrätin Rita Fuhrer, der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend, die Nationalrätinnen Christa Markwalder Bär und Chantal Galladé sowie Nik Gugger, Winterthurer Gemeinderat. Anderseits wird der Politologe Prof. Dr. Andreas Ladner (Universität Bern) wissenschaftliche Fakten zum Abstimmungs- und Wahlverhalten Jugendlicher als Input für die themenspezifischen Workshops vom Nachmittag einbringen. Und dort schliesslich werden die Teilnehmenden aufgefordert, Förderprojekte zu skizzieren, um das politische Engagement der Jugendlichen zu steigern. Als Zielpublikum der Tagung sind Behördenvertretungen, Mitarbeitende der öffentlichen Verwaltungen auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene angesprochen und insbesondere richtet sich das erste Demokratieforum auch an Kantonsschülerinnen und -schüler, Lehrlinge und Studierende. Kantons- und Berufsschulen sowie die Zürcher Hochschule Winterthur entsenden je starke Delegationen, die an der Tagung teilnehmen werden. 23,2 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind unter 20 Jahre alt 23,2 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind unter 20 Jahre alt. Trotzdem hat in der Schweiz die Mitsprache und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an gesellschaftlichen und politischen Prozessen eine geringe Bedeutung. Die Jugendpolitik lässt sich in drei Teilbereiche gliedern: Erstens Politik für Kinder und Jugendliche, zweitens Politik mit Kindern und Jugendlichen und drittens Politik von Kindern und Jugendlichen. Bis heute sind fast alle Aktivitäten dem ersten Teilbereich zuzuordnen. Während der zweite ab und zu vorgeschlagen wird, ist der dritte Utopie geblieben. Dabei gibt es, wie Nationalrätin Chantal Galladé an der Medienkonferenz ausführte, triftige Gründe, die Kinder und Jugendlichen in die politischen Prozesse einzubeziehen. Wichtig an der Kinder- und Jugendpolitik ist, dass sie Konsequenzen hat. Bleiben Aktionen und Engagement folgenlos, werden Kinder und Jugendliche frustriert. Auch soll die Beteiligung dem Alter angemessen sein, damit keine Überforderung – aber auch keine Unterforderung stattfindet. Für die Erwachsenen gilt es, die andere Sitzungs- und Kommunikationskultur und Arbeitsweise von Kindern und Jugendlichen zu respektieren und ihnen nicht ihre eigenen Formen aufzwingen zu wollen. Politische Beteiligung von Jungwählern zeigt seit einigen Jahren positive Trendwende Für Daniel Schwarz, Politikwissenschafter im Forschungsnetzwerk politools, Bern, ist klar, dass kein Weg an der Verbesserung der politischen Bildung auf allen Schulstufen ab der Sekundarstufe vorbeiführt, wenn man sich eine politisch aktivere Jugend wünscht. Das politische Wissen und Engagement von 14- bis 15-jährigen Schweizerinnen und Schweizern ist international klar unterdurchschnittlich. Die Bedeutung von Wahlen wird von den 18- bis 24-jährigen Jungwählern als gering eingestuft. Im nationalen Kontext entwickelt sich dennoch die politische Beteiligung von Jungwählern seit einigen Jahren positiv. Über die Wahlbeteiligung unter Jungwählern weiss man, dass sich diese zwischen 1995 und 1999 von sehr tiefen 27,3 Prozent auf 40,8 Prozent erhöht hatte. Laut noch unveröffentlichten Ergebnissen der Selects-Studie zu den Wahlen 2003 dürfte dieser Anteil weiter gestiegen sein. Das Image der «langweiligen Politik» lässt sich allerdings kaum mit langweiligen Unterrichtsformen verändern. Schulen dürfen sich nicht scheuen, sich hierzu Mittel und Wege jenseits der konventionellen Lehrmittel zu bedienen, wie z.B. den Einbezug von (Jung-)Politikern und Parteivertretern in den Unterricht, die Veranstaltung von klasseninternen Debatten zu politischen Themen oder den Einsatz von Angeboten aus dem Internet, die eine Orientierungshilfe anbieten. Eine Orientierungshilfe bietet sich z.B. mit der Online-Wahlhilfe «smartvote» (http://www.smartvote.ch) an, die vom politools-Forschungsnetzwerk entwickelt wurde und gemäss eigener Erhebungen von Jungwählern überproportional genutzt wird. Sponsorenlauf für stärkere politische Beteiligung von Jugendlichen in Bosnien-Herzegowina Es soll aber nicht nur hinter den Türen des Stadttheaters über Demokratie und Engagement in der Politik debattiert werden, die Leitidee muss auch draussen wahrnehmbar sein. Aus diesem Grund findet gleichentags ein Sponsorenlauf statt, zu dem Schülerinnen und Schüler der Winterthurer Gymnasien, Lehrlinge sowie Prominente aufgerufen sind. Beim Sponsorenlauf für die Demokratie, der von 15.30 bis 16.30 Uhr im «Stadtgarten» durchgeführt wird, laufen alle Teilnehmenden für eine stärkere politische Mitwirkung von Jugendlichen in Gemeinden in Bosnien-Herzegowina (Region Doboj). Das Projekt des Hilfswerks Intercooperation fördert als zentrales Element in all seinen Aktivitäten die Stärkung und Miteinbeziehung von Jugendlichen, um ihnen zu ermöglichen, nach Jahren des Krieges und der Zerstörung die Entwicklung und die Politik in ihrer Gemeinde aktiv mitzugestalten, beispielsweise: Errichtung von Gemeinde-Jugendkommissionen, die ihre spezifischen Interessen als Partner der Behörden einbringen können. Viele Gemeinden haben inzwischen spezifisch Budgetposten für Jugendanliegen und -projekte vorgesehen Unterstützung von zukunftsorientierten Projekten, welche direkt von Jugendorganisationen ausgearbeitet und betreut werden (z.B. gemeinsame Umweltschutzprojekte an Schulen beider Entitäten, Computerkurse für Jugendliche von Minderheiten) Unterstützung von Projekten, welche die Zusammenarbeit zwischen Jugendorganisationen der verschiedenen Volksgruppen in Bosnien stärken Musikalisch wird der Sponsorenlauf begleitet durch die Winterthurer Musiker «The ZOO» mit Sänger Albert Den Dekker (NL). «The ZOO» spielt melodiösen Indie-Rock und wird die Stimmung (und die Beine) der Laufenden im «Stadtgarten» beflügeln. |