Nationale Alarmzentrale wird 20 Jahre alt

BERN. Vom kalten Krieg zum modernen Bevölkerungsschutz: Im Herbst 1984 wurde die Nationale Alarmzentrale (NAZ) in Zürich gegründet. Damals beschränkte sich ihre Tätigkeit weitgehend auf Fragestellungen im Bereich Radioaktivität. In den letzten Jahren hat sich das Bild der NAZ von der unbekannten Fachstelle für Radioaktivitätsfragen zum modernen Dienstleister im Bevölkerungsschutz des 21. Jahrhunderts gewandelt. So bearbeitet der Pikettdienst der NAZ jährlich rund 400 Ereignisse, teils selbstständig, teils mit Partnern bei Bund und Kantonen oder auch bei ausländischen Fachstellen.

Im Herbst 1984 wurde die Sektion Ueberwachung zentrale Radioaktivität am Standort Zürich (SUWZ) aufgelöst und als Nationale Alarmzentrale weitergeführt. Damals stand die Überwachung der Radioaktivität in der Schweiz im Vordergrund, dies unter dem Eindruck der oberirdischen Atomwaffentests während der 50er und 60er Jahre, die in der Schweiz immer wieder zu erhöhten Radioaktivitätswerten führten. Obwohl die NAZ damals eine zivile Fachstelle im Eidgenössischen Departement des Innern war, standen Ereignisse militärischer Art im Vordergrund. Entsprechend stand der NAZ ein militärischer Stab, der sogenannte Armeestabsteil 800 zur Seite. In diesem Stab waren zahlreiche Wissenschaftler aus den Sparten Physik und Chemie, aber auch Nachrichten-, Übermittlungs- und Informationsspezialisten eingeteilt. Der damaligen Zeit angepasst, wurde Geheimhaltung gross geschrieben und die NAZ wurde von einer breiteren Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Erstes Grossereignis: Tschernobyl Nur gut ein Jahr nach ihrer Gründung erlebte die NAZ den grössten Einsatz ihrer Geschichte: die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Fünf Tage nach dem Unfall erreichte die radioaktive Wolke den Bodensee und Teile des Kantons Graubünden. Erst zu diesem Zeitpunkt erkannte man in der Schweiz die Dimension des Unfalls. In aller Eile wurde der militärische Armeestabsteil zum Aktivdienst aufgeboten. Während rund sieben Wochen blieben Teile des Stabes im Einsatz und sorgten für die wissenschaftliche Analyse der Messergebnisse, für die Anordnung von Verhaltensmassnahmen und für eine laufende Information der betroffenen Bevölkerung. Trotz grossem Einsatz aller Beteiligter waren einzelne Defizite in der Ereignisbewältigung unübersehbar. In den folgenden Jahren wurden mit hohem technischem und finanziellem Aufwand die nötigen Anpassungen vorgenommen und diese in zahlreichen gross angelegten Übungen praktisch überprüft.

Fachstelle des Bundes für ausserordentliche Ereignisse Ereignisse mit erhöhter Radioaktivität gehören auch heute noch zum Aufgabenbereich der NAZ, seien es Transport- oder Laborunfälle, Störfälle in Kernanlagen oder Ereignisse im Zusammenhang mit Nuklearterrorismus. Darüber hinaus fallen aber auch grosse Chemieunfälle, Staudammbrüche und Satellitenabstürze in den Aufgabenbereich der NAZ. Mit der Eingliederung in den Bevölkerungsschutz im Jahre 2003 übernahm die NAZ auch die krisensichere und zeitverzugslose Weiterleitung von Unwetterwarnungen von MeteoSchweiz bzw. von Erdbebenmeldungen des Schweizerischen Erdbebendienstes an die Einsatzzentralen der Kantonspolizeien. Weiter bearbeitet die NAZ auch sachspezifische Anfragen diverser Einsatzstellen. So wandte sich beispielsweise im Mai 2004 das kantonale Umweltamt des Kantons Schwyz an die NAZ, als auf den Ostschweizer- und Zentralschweizerseen eine mysteriöse Oberflächenverunreinigung festgestellt wurde. Mit Hilfe von meteorologischen Ausbreitungsmodellen konnten die feinen Schwermetallpartikel einem Brand in einem Munitionsdepot in der Ukraine zugeordnet werden.

Rund um die Uhr auf Pikett Die NAZ ist während 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr erreichbar. Die Zahl der jährlichen Pikettfälle stieg von rund 120 Mitte der 90er-Jahre auf 535 im "Katastrophenjahr" 2001. Seither hat sich die Zahl bei rund 400 Ereignissen eingependelt. Das Spektrum reicht dabei von harmlosen technischen Fehlalarmen bis zu Grossereignissen wie den Anthraxverdachtsfällen, dem Untergang des russischen Atom-U-Bootes Kursk oder dem schweren Radioaktivitätsunfall im japanischen Tokaimura. Nebst den Piketteinsätzen und dem Unterhalt der technischen Installationen arbeiten die 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der NAZ hauptsächlich an der Entwicklung von computergestützten Lageanalysen und Entscheidungshilfen, sowie an Notfallschutzkonzepten in den Bereichen Radioaktivität und Chemie.

Heutige Aufgaben auf neuer DVD Pünktlich zum 20. Geburtstag hat das Zentrum für Elektronische Medien der Armee (ZEM) eine DVD zu den neuen Aufgaben der NAZ fertiggestellt. Anhand eines nachgestellten Pikettfalls auf dem Flughafen Kloten können sich Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, aber auch Angehörige der Armee und des Zivilschutzes ein vertieftes Bild über Einsatz und Organisation der NAZ machen.

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news box november 2004